Bevor wir uns als Eltern mit Vorwürfen überschütten (oder überschütten lassen) und uns durch nebulöse Schuldgefühle lähmen (mehr Nutzen bringen Schuldgefühle nämlich nicht!), sollten wir eines bedenken:
Jeder Beruf setzt eine Ausbildung voraus. Diese vermittelt Kenntnis, Verständnis und Fähigkeiten für das, womit wir umgehen. Jeder Beruf braucht Fortbildung, Schulung, Supervision – eine ständige Weiterentwicklung also.
auch wenn das vielfach anders gesehen wird: es ist nicht nur der schönste, es ist auch der vielleicht schwierigste und verantwortungsvollste Beruf heute. Ist es also ein Wunder, daß wir uns überfordert und mangelhaft fühlen ohne Ausbildung, ohne Fortbildung, ohne unterstützende Begleitung? Insofern ist der Ruf nach möglichst früher Delegation der Kinder an Einrichtungen mit Fachkräften zu verstehen. Aber:
Die Kinder haben sich uns anvertraut. Sie trauen uns diese Aufgabe zu. Sie wollen mit uns gemeinsam einen Lernprozeß durchlaufen, denn wir sind ihnen am nächsten. Wir haben das Kind geliebt, bevor wir wußten, wie es aussieht, welchen Geschlechts es ist, welche Eigenheiten, Vorlieben, Schrulligkeiten und Fähigkeiten es hat – also eigentlich bedingungslos. Und wir haben tief in uns eine Bereitschaft, mit dem Kind durch alle Freuden und Verzweiflungen zu gehen. - Ist das etwa nichts? - Das ist vielmehr als wir ahnen! Wir müssen uns dieses in uns liegenden Potenzials nur bewußt werden, es entwickeln und in unseren Alltag hineingestalten. Dann wird das Leben mit dem Kind zur Schulung, zum Entwicklungsweg für uns selber.
Im Oktober 2006 begann ein Modellprojekt Erziehungsbegleitung. Es war so erfolgreich, dass es langfristig fortgesetzt werden soll, wenn eine Finanzierung möglich wird.